Made in Japan

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Japan gehörte wie Deutschland zu den Verlierern des 2. Weltkrieges. Anders als bei uns hatten sich die USA nicht gescheut, die am meisten todbringede Bombe aller Zeiten über der geplagten Zivilbevölkerung abzuwerfen, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das bis heute nicht gesühnt wurde. Die fleißigen Bewohner machten sich daran, ihre Heimat wieder aufzubauen und trotz harter Restriktionen, es war z.B. verboten, optische Geräte aller Art herzustellen, gab es auch im Land der aufgehenden Sonne so etwas wie ein Wirtschaftswunder.
Spätestens ab 1960 machte sich Japan auf den Weg, mit neuen Technologien die Märkte zu erobern. Die Konstrukteure quer durch alle Branchen der Konsumgüterindustrie begannen, elektronische Lösungen für die Funktionsweise von Geräten zu entwickeln, die das Leben schöner machten. Was für Fernseher, Plattenspieler, Kassettenrecorder, Autos und Motorräder galt, kam auch in der Kameraindustrie zum Einsatz. Gelang es zunächst, durch Rationalisierung und ein vergleichsweise geringes Lohnniveau, Produkte in Europa und in den USA zu unschlagbar niedrigen Preisen anzubieten, wurden die Apparate mit der Zeit immer besser.

Nikon war sehr früh zum Marktführer ausfgestiegen und löste mit dem Modell „F“ die in die Jahre gekommene, deutsche Rolleiflex als Reporterkamera Nr. 1 ab.
Andere Marken rückten nach, von denen viele heute kaum noch bekannt sind. Sie setzten Meilensteine hinsichtlich Bedienbarkeit, Funktionsweise und technischer Möglichkeiten. Die TTL-Messung (Pentax, Topcon), die Prozessor gestützte Belichtungssteuerung (Canon), der Autofocus (Konica) sind japanische Erfindungen, die den fotografischen Alltag revolutionierten. Zeitgleich geriet die einst glorreiche deutsche Kameraindustrie immer mehr ins Hintertreffen. Während sich die Unternehmen der Bundesrepublik auf technischen Irrwegen bewegten (Bsp. Zentralverschluss), fehlten in der DDR ab Ende der 70er Jahre zunehmend Investitionsmittel. Bis 1990 kamen aus der DDR Fotoapparate, die in der Lage waren, die Bedürfnisse des „kleinen Mannes“ zu befriedigen, Kameras, die zuverlässig arbeiteten und zufrieden stellende Ergebnisse lieferten.
Die japanische Fotobranche hat sich verändert. Viele Produkte kommen heuer aus Drittländer, wie China, Taiwan, Malaysia und anderen. Ab 2000 vollzog sich der radikale Wechsel zur digitalen Bildentstehung und -Bearbeitung.
Canon ist nach jahrelangem Hinterherhinken zum Marktführer aufgestiegen. Nikon behauptet bis heute den Profisektor. Andere Marken rückten nach, von denen Sony und Panasonic immer wieder mit bemerkenswerten Innovationen glänzen. Gleichzeitig verschwanden einst klingende Namen von der Bildfläche. Wer kennt heute noch Kameras von Minolta, Konica, Topcon, Cosina, Petri, Mamiya oder Yashica, um nur einige zu nennen. Pentax hat sich nach seiner wechselvollen Geschichte aktuell unter der Ägide von Ricoh auf ein schmales, aber feines Soriment festgelegt. Tatsache ist, moderne Digitalkameras aus Japan sind heute so leistungsfähig, wie nie zuvor. Doch das ist eine andere Geschichte.
Die auf dieser Seite vorgestellten Schmuckstücke sollen einen kleinen Einblick in die Vielfalt und Potenz japanischer Baukunst geben.

Die Topcon RE Super gilt als einer der Meilesteine der Kamerageschichte. Als sie 1963 auf den Markt kam, überholte sie alle bis dahin dagewesenen Technologien bzgl. der Lichtmessung. Obzwar Asahi bereits 1960 die Pentax Spotmatic mit weltweit erster TTL-Messung (Through the lens – durch das Objektiv) vorgestellt hatte, schafften es deren Konstrukteure nicht, den Apparat rechtzeitig zur Marktreife zu bringen. Tokyo Kogaku war schneller. Überdies gelang es den japanischen Landsleuten, ein System mit Offenblendmessung zu entwickeln, ein Feature, von dem die Konkurenz meilenweit entfernt war.

Die RE Super, in USA als Super D vermarktet, gelangte gar in den Ausrüstungspark der NASA – vor Nikon, Leitz und den anderen, wenigen Profimarken. Und als Profikamera ist sie ausgelegt: Wechselsucher, Wechselobjektive, bemerkenswerter Weise mit Exakta Bajonett, Motor-Anschluss – das waren die Ingredenzien, um diesem Anspruch gerecht zu werden.
Der Apparat ist äußerst robust, schwer, mit kantigem Gehäuse und dürfte für einige Mitbewerber mindestens als Inspiration gedient haben. So weisen die Praktica L-Serie, die Exakta RTL1000 (beide 1969) sowie die Icarex von Zeiss Ikon West (1967) erstaunliche Ähnlichkeiten mit der Topcon auf.


Ähnlich wie die Marke Topcon ist der Name Miranda heute nur noch wenigen ein Begriff. Dabei hatte die Firma Orion Precision&Co viel früher als Nicon oder gar Canon auf den Bau von Spiegelreflexkameras gesetzt. Bereits 1955 kam die Miranda T auf den Markt. Fortan sollte Firmengründer Ogihara Akira seine Apparate unter dem Namen Miranda vertreíben.
1967 kam die Sensorex in die Läden. Sie war die Nachfolgerin der Automex, einer robusten Kamera mit großer Selen-Zelle im Dachkantenprisma. Die Sensorex indessen war mit einer zeitgemäßen CdS-Zelle u. der damit verbundenen TTL-Messung ausgestattet.

Anders als bei der Topcon RE Super musste der Anwender den kleinsten Blendenwert des jeweils verwendeten Objektivs an einem Rädchen links vom Sucher einstellen, um den korrekten Belichtingswert bei Offenblende zu ermitteln.
Die Sensorex ist mit einem Wechselsucher ausgestattet, der an den Kühler amerikanischer Straßenkreuzer erinnert, ein Umstand, der sicher mit der Kompatibilität zum Vorläufermodell zu tun hat.


Sie kam etwa 1968 auf den Markt und gilt bei Freunden traditioneller Lichtbildkunst bis heute als eine der schönsten Kameras für Kleinbildfilm – die Miranda Sensomat.
Das Modell RE ist lediglich eine Weiterentwicklung, die ab ca. 1971 in den Läden lag. Auch hier war der Sucher abnehmbar, der verdächtig an ein Pentaprisma der Exakta Varex aus den 50ern erinnert.
Neben dem damals bereits üblichen TTL-Belichtungsmesser war die Sensomat mit zwei Auslösern, beide auf der rechten Seite, ausgestattet. Der Fotofreund hatte die Wahl zwischen oben (Leica, div. westdeutsche Kameras, aber auch viele Japaner) oder vorn neben dem Objektiv, ähnlich wie bei den Prakticas aus der DDR.

Miranda Kameras gehörten in den 60er Jahren zur Creme japanischer Baukunst, zuverlässig, robust, mit feinfühliger Mechanik. Nach dem Ausscheiden ihres Gründers Ogihara Akira 1969 dümpelte die Firma noch ein wenig vor sich hin, bevor sie 1976 insolvent wurde. Der Name Miranda wechselte ein paar Mal den Besitzer, konnte jedoch nie an die guten Zeiten anknüpfen.


Cosina wurde 1959 als Hersteller von optischen Geräten gegründet und befindet sich bis heute im Besitz der Familie Kobayashi. 1966 brachte der Hersteller aus Nagano/ Japan die erste Kamera heraus und fertigte fortan Apparate für andere Anbieter. Einer der bekanntesten Abnehmer war Foto-Porst, zeitweilig der größte Händler von fotografischem Equipment in Deutschland. Eigenartiger Weise wird dieser Umstand auf der Wikipedia nicht mal erwähnt. Aber auch andere Marken, wie Canon, Voigtländer, Konica, Nicon und viele andere machten Gebrauch von der Fremdproduktion.
Die Informationen insgesamt sind recht spärlich, da es sich bei den Apparaten um keine begehrten Sammelobjekte handelt.

Die CSL ist etwa 1977 auf den Markt gekommen. Sie ist mit einer CdS-Zelle für eine Spotmessung ausgestattet. Gemessen wird bei Arbeitsblende, die durch halbes Drücken des Auslösers zuschnappt. Rechts unter dem Objektiv befindet sich ein Knopf, um die Blende wieder zu öffnen, eine Detaillösung, die ich so noch nicht gesehen habe. Die Anzeige der Messung erledigen drei LEDs im Sucher, +, – (rot) und o (grün). Der Objektivanschluss ist das gute alte M42-Gewinde.
Die Kamera ist kompakt und handlich und bei aller Einfachheit gut zu gebrauchen. Als Kit-Objektiv wurde ein 50mm/1,7er ausgeliefert, das sicher einen guten Job macht. In Anbetracht der Tatsache, dass die Preise für alte Fotoapparate inzwischen deutlich gestiegen sind, ist es für den Neueinsteiger ratsam, sich bei Marken wie Cosina, oder bei den Derivaten diverser Fremdanbieter umzuschauen. Gerade bei Porst, aber auch bei Revueflex wird man oft fündig und kann gut funktionierende Spiegelreflexkameras für kleines Geld erwischen.