Le Bon Ton

Lavalier-Funksystem FULAIM X5

Wenn man plötzlich in die Verlegenheit kommt, einen Vortrag oder ein Interview abfilmen zu wollen, ist man gezwungen, sich um eine anständige Tonaufnahme Gedanken zu machen. Zum Einsatz kommen für gewöhnlich Drahtlosmikrofone, die es als Komplettsystem zu erwerben gilt. Marktführer Rode bietet eine ganze Reihe überaus brauchbarer Modelle an. Die Basis-Version Wireless GO schlägt mit 159,-€ zu Buche, Geld, das man für eine Ge- oder gar Verlegenheitslösung erst mal ausgeben möchte.

Beim Stöbern in den einschlägigen Testberichten stößt man auf ein Fabrikat namens FULAIM, das mehrere Varianten bereit hält. Positiv besprochen wurde das X5M, das aktuell für 100,-€ zu bekommen ist. Für die Hälfte je nach Händler gibt es das System ohne M. Aber taugt ein System für unter 50,-€ überhaupt was?

Das Konzept ist durchdacht. Das mitgelieferte Etui aus widerstandsfähigem Kunststoff, nicht größer als eine XL-Zigarettenbox, fungiert zugleich als Ladestation, die mit jedem USB-C-Netzteil befeuert werden kann. Alle Kabel und Adapter sind inklusive und die Einzelteile sitzen sicher in ihren Aussparungen. Leider passt das kurze Klinkenkabel für den Anschluss an die Kamera nicht in die Schachtel.

Zwei Mikros befinden sich im Lieferumfang, die an den Hemdkragen oder den T-Shirt-Saum geklemmt werden können. Die Klemme funktioniert wie eine Wäscheklammer, ein umständliches Stopfen des Stoffes ist nicht nötig. Der Empfänger ist sowohl mono als auch stereo – besser: zweikanalig – zu betreiben. Es empfiehlt sich eine einkanalige Aufnahme, da bei Stereo-Spuren ansonsten im Video der rechte und linke Kanal streng getrennt würden und im Schnittprogramm gemischt werden müssten. Für einfache Anwendungen sollte eine Monoaufnahme ausreichen.

Der Receiver/ Empfänger birgt trotz seiner geringen Größe einige Raffinessen in sich. Auf dem Display wird nicht nur die Verbindung zu dem jeweils im Betrieb befindlichen Mikro angezeigt, sondern ebenso der Füllstand sämtlicher Akkus (Mikros und Receiver) sowie der Pegelausschlag der Audiospur, der mittels Button an der Seite (db) geregelt werden kann. Zudem wird dem Nutzer gezeigt, ob sich das System im Stereo- oder Mono-Modus befindet. Sowohl Kopfhörer- als auch Kameraanschluss, beides Mini-Klinke 3,5mm, als auch eine USB-C-Buchse dürfen nicht fehlen. Hier hat jemand nachgedacht.

Die Frage der Fragen ist natürlich, klingt das Ganze überhaupt? Ein Vergleich mit Marktführer Rode oder gar anderen Fabrikaten war in diesem Rahmen nicht möglich. Im Vergleich mit dem internen Kamera-Mikro oder mit einem aufgesetzten Richtmikrofon hat das System zweifelsohne die Nase vorn. Der Ton ist klar und deutlich, Hall, Raum- und Nebengeräusche sind auf ein Minimum reduziert. Es empfiehlt sich, ein wenig mit der Ausrichtung der Mikrokapsel zu experimentieren. Ist diese nicht korrekt auf die Schallquelle ausgerichtet, wirkt der Ton ein wenig muffig, was eher ein physikalisches Problem sein dürfte.

Fazit: Für unter 50,-€ (03/2026) bekommt der Gelegenheitsfilmer ein durchaus brauchbares System, das bemerkenswert gute Ergebnisse erzeugt und den Spaßfaktor spürbar erhöht.