Schon zwei Jahre später kam eine verbesserte Version hinterher, die Zenit S (зенит с). Das S (kyrillisch C) steht für Synchronisation. Die Kamera besitzt eine Blitzanschlussbuchse. Mit einem Hebelchen unterhalb des Zeiteneinstellrades wird die Synchronvorlaufzeit eingestellt, die von null bis 25 Millisekunden angewählt werden kann, je nach Blitzart und der damit verbundenen Zeit des Vorheizens der Blitzbirne. Es handelt sich also nicht, wie der Knipser erst annahm, um ein separat einstellbares Hemmwerk. Synchronisiert wird normal bei der 1/30stel Sekunde. Das Gehäuse wurde kaum verändert. Lediglich das Objekriv bekam eine Aktualisierung. Der Mitnehmer für die Enfernung wurde eingespart. Das Gewinde blieb M39. Durch das größere Auflagenmaß hat man in Verbindung mit Leica-Teles eine prima Makrokamera. Freilich muss man dann auf größere Entfernungen verzichten.
Der Apparat ist wie sein Vorgänger für russische Verältnisse erstaunlich zierlich und wiegt gerade mal 586g. (vgl.: www.guido-studer.ch)
CCCP Sucherkameras
Made in Japan
Eine im wahrsten Sinne des Wortes sehr eigenartige Kamera ist die Kristall. Sie kam als Nachfolgerin der Zenit 3 und war von der Ausstattung kaum anders. Warum die Verantwortlichen plötzlich einen anderen Namen ersannen, bleibt unklar. Vom Design schlägt sie ebenso aus der Art. Die Kappe aus Metall wurde mit einer Hammerschlag-Lackierung versehen. Die Dachkante ist gerippt und wird anderorts im Internet mit dem Kühlergrill eines Traktors oder amerikanischen Straßenkreuzers verglichen.
Die Kamera wurde nur von 1960-62 gefertigt. G. Studer verweist darauf, dass sich das ungewöhnliche Design mangels Kundenakzeptanz wohl nicht durchsetzen konnte. Auch soll es Gerüchte geben, wonach die Anlehnung an amerikanische Technik den Entscheidungsträgern nicht "sozialistisch" genug gewesen sei. Angesichts der Tatsache, dass die Sowjets alles abkupferten, was westlich aussah (Tschaika, Krass, Lada, FED...) gehört diese Ansicht wohl ins Reich der Legenden. Die Kristall ist recht selten und wird meist überteuert angeboten. So gab sich der Knipser mit einem Modell, das aus England kam, zufrieden, auf das ein Vorbesitzer einen Blitzschuh geklebt hatte, was allenfalls den Wert, nicht aber die Funktionalität mindert.
Die Fotos sind durchaus zufriedenstellend. Das Objektiv zeichnet scharf und mit ausreichend Tiefe, ganz so, wie das große Vorbild. Manche Funktionen des Apparates sind ein wenig skuril. V. a. Die Rückspulsperre, die sich hülsenförmig im Auslöser versteckt, ist recht eigenartig. Ich hatte die Funktion jüngst vergessen. Als es mir wieder einfiel, hatte ich den Film bereits mühsam im abgedunkelten Badezimmer entfernt.
Sie hätte die wichtigste Kleinbildkamera der Sowjetunion werden können, die Start von KMZ. Sie sollte das Flagschiff der sozialistischen Kameraproduktion sein und hatte viele Ansätze, die einer Profikamera der damaligen Zeit hätten gerecht werden können. Wechselsucher, Wechselobjektive, Blitzbuchsen, Schnellspanner, Hemmwerk und Verschlusszeiten von 1-1/1000stel Sekunde. Man hatte sich bei den deutschen Vorbildern einiges abgeschaut. Der Sucher ist der Praktina ähnlich, das Bajonett ebenfalls. Die Springblende hatte man der Exakta entlehnt. Der Auslöser ist rechts vorn positioniert wie bei Prakticas. Standardobjektiv wurde ein Helios, Nachbau des Zeiss Biotar, mit dem auch heimische Zenits bestückt waren.
Allein, es wurde kein Zubehörprogramm aufgelegt. Es gab keine Objektive verschiedener Brennweiten, passende Wechselsucher nur Gerüchte halber. Die Kamera ist schwer und hat keinen Rückschwingspiegel, war demnach kurz nach ihrem Erscheinen bereits veraltet. So blieb das Projekt Start ein Rohrkrepierer und wurde 1964 ersatzlos eingestellt. In der DDR spielten russische Spiegelreflexkameras keine nennenswerte Rolle. Man hatte seine Praktica, Exa oder Exakta, und das meist ein Leben lang.
Drei Jahre nach dem Erscheinen der Zenit E brachte KMZ eine Sparvariante ohne Belichtungsmesser heraus, die Zenit-B, die eigentlich Zenit V heißen müsste, da sie im russischen Original mit einem kyrillischen“B“ geschrieben wird, das man als „we“ spricht. Aber die Marketingexperten erkannten richtig, dass ein angehängtes „V“ sich ein wenig sperrig am Namen ausmachen würde und übernahmen einfach die Schreibweise.
In der Bundesrepublik wurde der Apparat übrigens unter dem Namen Revueflex B gehandelt.
Technisch gibt es außer dem fehlenden Selen-Belichtungsmesser keine Unterschiede zum E-Modell. Wurde anfänglich noch das M39-Gewinde verwendet, verbaute man spätestens ein Jahr nach Erscheinen den international anerkannten M42-Anschluss. So stand dem Anwender ein Arsenal von Objektiven zur Verfügung.
Die Kamera ist schlicht und robust wie ihre Vorgänger. Mit dem standardmäßigen Industar-Objektiv kommt man gut klar, aber auch das bessere Helix, das zuweilen beigegeben wurde, liefert bekanntermaßen ordentliche Ergebnisse. Allein die fehlende Springblende und die schmale Zeitenspanne von einer 30stel bis 500stel Sekunde schränken den Enthusiasten ein wenig ein.
Über 3,3 Millionen Exemplare wurden zwischen 1965 und 1982 von der Zenit-E gebaut, die damit wahrscheinlich die meist produzierte Spiegelreflexkamera der Welt ist. Zumindest gibt es einen entsprechenden Eintrag im Guinnes-Buch der Rekorde.
Hinsichtlich Formgebung orientierte man sich offenbar an der deutschen Konkurenz. Auch in der DDR und der BRD entstanden zu jener Zeit Kameras, die sich durch gerade Linien und ein klobiges Design auszeichneten. Waren die Zenits bis zur 3M rundliche Apparate von kleinen und mittleren Ausmaßen, hatte der Anwender mit der Zenit-E ein ordentliches Brikett in der Hand. Satte 800 Gramm bringt die Kamera auf die Wage, 115 mehr als der Vorgänger, der lange parallel produziert wurde.
Die Neue erhielt einige wesentliche Verbesserungen. Man hatte sich nunmehr für das M42-Gewinde entschieden. Somit konnte der User auf ein reiches Angebot an Objektiven aus Ost und West zurückgreifen. Aber auch die Linsen aus heimischer Produktion, Industar und Helios, waren hinsichtlich Qualität und Abbildungsleistung nicht zu verachten. Endlich gab es einen Rückschwingspiegel, der das Sucherbild nach Auslösen wieder frei gab. Die wichtigste Neuerung war ein integrierter, ungekuppelter Selenbelichtungsmesser.
Das die Sowjets damit weit entfernt von der Weltspitze waren, dürfte in der UdSSR nur wenige interessiert haben, da die Versorgung mit Nachrichten über Trends und Entwicklungen im Westen oder gar im fernen Osten kaum bis zum gemeinen Volk durchdrangen. Der Ruf, der russischer Technik anhaftet, trifft auf die Zenit-E voll zu: Grob, groß, aber unkaputtbar. Immerhin wurde über das Versandhaus Quelle die Kamera als Revueflex-E für gerade mal 150,-DM verscherbelt. Eine Contaflex kostete zu der Zeit etwa 800-900 Mark.


1960 kam ein Nachfolgemodell, die Zenit 3, heraus. Die Nomenklatur der Zenits ist unklar und entbehrt vor allem in den 50er und 60er Jahren jeder Logik. So hat es zwischen der Zenit S und der 3 keine 2 oder 2S gegeben. Auch später geht es einigermaßen durcheinander mit den Bezeichnungen. Zwar gab es durchnummerierte Modelle, altenative Namen jedoch wurden daneben immer wieder verwendet: B, ET, AM1, AP und mehr. Anders als bei der Praktica, bei der es ab der IV verschiedene Ausstattungs-Varianten innerhalb einer Baureihe gab, blieb es bei den Zenits bei einer zeitlich linearen Abfolge, wenngleich es ab Mitte der 60er Jahre parallele Fertigungen (4, 5, 6) oder abgespeckte Versionen wie die Zenit B gab.
Die Zenit 3 hat zwei wesentliche Verbesserungen erhalten, den Schnellspanner und den Selbstauslöser. Die Gehäusekappe wurde verändert. Die Stufe war geglättet und die Dachkante etwas eckiger. Für Ende der 50er entwickelt, ist das Design modern und in sich stimmig. Der Schnellspanner wirkt feinmechanisch und so gar nicht russisch, da der Auslöser wie beim Vorgänger seinen separaten Platz auf der Oberfläche behalten hatte. Das Zeiteneinstellrad blieb unverändert und erinnert an das der Leicas der 30er Jahre. Nach Studer sind in den zwei Jahren ihrer Existenz über 80.000 Exemplare gebaut worden. Dennoch ist das Modell im Gegensatz zur Zenit S und zum Nachfolger 3M recht selten anzutreffen.
Nach der Zenit 3 und der Kristall, von denen Letztere mit ihrem Hammerschlagmuster die optisch Auffälligste sein dürfte, brachte KMZ 1962 die Zenit 3M heraus, die bis 1970 gefertigt wurde. Mit über einer Dreiviertel Millionen erzeugter Exemplare ist sie die erste russische Spiegelreflex für die Massen.
Die Gehäusekappe entspricht im Wesentlichen jener der Vorgängerversion, bis auf den an einen Traktor erinnernden Kühlergrill. Die Form wirkt rundlich und geschmeidig. Erst bei der Nachfolgerin Zenit-E, die sebst in Deutschland über Foto Quelle zu haben war, passten sich die Sowjets dem Zeitgeist an und gingen zu einem kantigen Design über.
Die Kamera ist schlicht ausgestattet. An den Belichtungszeiten hatte sich nichts geändert. Einen Rückschwingspiegel gab es immer noch nicht. Nach dem Auslösen blieb es dunkel im Schacht. Immerhin hatte das Gehäuse eine hintere Gehäuseklappe. Der Auslöser wurde in den Schnellspanner integriert, der dadurch viel größer ist als beim Vorläufer und die Verwendung einer stufenfürmigen Deckkappe erforderlich machte (vgl. Zenit 3). Das Gehäuse ist etwa 1mm dicker und insgesamt etwas wuchtiger geworden, ein Eindruck, an dem die abgerundete Dachkante nicht viel ändert. Es handelt sich um ein Modell für den russischen Binnenmarkt, erkennbar am kyrillischen Logo und daran, dass auf ein "Made in USSR" auf der Rückseite verzichtet wurde.


Die Zenit 3M gab es sowohl mit dem oben abgebildeten, lichtstarken Helios 58/f2,0 als auch mit standardmäßigen 50mm Industar, das einem Tessar entspricht, zu kaufen. Noch war man beim 39mm-Gewinde geblieben, was nicht bedeutete, dass der Apparat zu Leica-Linsen kompatibel war. Das Auflagemaß war ein anderes.
Das Hebelchen am Zeitenrad beschränkt sich auf die Wahl X oder M, Blitzbirne oder Elektronenblitz, die beide über den selben Koaxanschluss synchronisiert werden.
Es dürfte sich um eines der späteren Export-Modelle handeln, erkennbar daran, dass das lateinische (Export) Logo nicht graviert sondern aufgespritzt ist. Der Seriennummer nach könnte das Baujahr 1966 zutreffen. Der Zustand ist deutlich besser, als das Original oben. Die Lackierung ist kaum abgeblättert, Kratzer zu vernachlässigen. Verschluss, Filmtransport und Bildzähler funktionieren bei beiden Kameras, was bei der 3M nicht immer der Fall ist.



Die Zenit 12XP ist die Exportvariante einer 12SD, hier mit spitzer Dachkante, die zwischen 1983 und 2000 (!) in erheblichen Stückzahlen gefertigt wurde. Die Kamera genießt einen recht guten Ruf aufgrund ihrer soliden Qualität. Viel interessanter dürfte jedoch das Objektiv sein. Das Helios ist eine Kopie des heute immer noch begehrten Biotar. Mit Blende 2 ist es recht lichtstark. Der Knipser war vor allem scharf auf die Linse und es ergab sich, dass für gut die Hälfte des üblichen Marktpreises auch noch die Kamera dran hing, ein Phänomen, das man in der Bucht auch bei diversen EXAs und Prakticas beobachten kann.
Die Kamera erscheint als ziemlicher Brocken, kantig, beinahe ungeschliffen, wird im WEB bisweilen als russischer Panzer apostrophiert. Stellt man sie neben eine Canon A1, sind die Unterschiede weniger augenfällig. Japanische Kameras wirken einfach eleganter. Immerhin besaß die 12XP eine batteriebetriebene TTL-Messung und die längst überfällige automatische Blende, Neuerungen, wie sie spätestens seit Mitte der 60er Jahre internationaler Standard waren. Bei den Belichtungszeiten beschränkte man sich nach wie vor auf den Bereich von 1/30 bis 1/500 Sekunde, was allenfalls Amateurstatus bedeutete.

Zenits hat es eine ganze Reihe von Modellen gegeben, so dass man schnell den Überblick verliert. Es gab sie mit Tuchschlitz- und Zentralverschluss, mit Selenzelle, mit TTL-Messung, mit M39 und M42 Gewinde und Anfang des 21 Jahrhunderts sogar mit integriertem Motorwinder (Zenit KM).
Die Zenit 122 ist eine der späteren Varianten, erkennbar am Kunststoffgehäuse und dem Versuch, sie ergonomisch vorteilhafter zu gestalten. Sie lief zwischen 1989 und 2005 fast 2 Millionen mal vom Band. Ausstattungsmäßig gleicht sie der 12XP. Die Verschlusszeiten waren geblieben und auch der Belichtungsmesser war ganz offensichtlich nicht weiter entwickelt worden.
Kit-Objektiv blieb das Helios 44M-4, das wie erwähnt ansprechende Fotos garantierte. Der Schwingspiegel rappelt ganz ordentlich im Gehäuse, klingt jedoch weniger metallisch als bei den vergleichbaren Prakticas der 70er Jahre. Die Zenit 122 ist solide, zuverlässig und reduziert aufs Wesentliche, am Ende vielleicht ein wenig langweilig.


Neben den Zenits und der Start aus Krasnogorsk wurde in der UdSSR eine weitere Linie Spiegelreflexkameras gebaut, von denen die Kiev-60 sowie die Kiev-88 auch im Westen nicht unbekannt waren, handelte es sich doch um Mittelformatkameras, die für vergleichsweise kleines Geld zu bekommen waren. Insbesondere die anspruchsvolle 88er im Hasselblad-Design, ab 1984 gebaut, war sehr beliebt. Bereits nach dem 2. Weltkrieg hatte sich der Hersteller "Arsenal" um die ukrainischen Versionen der Contax II und III verdient gemacht (>>>).
Weit weniger bekannt dürften die SLRs für's Kleinbildformat sein. Die erste ihrer Art, die Kiev-10, wurde ab 1964 verkauft. (Evtl. 1965, die Aussagen im WEB divergieren etwas.) Sie war eine komplette Eigenentwicklung der Ukrainer und hatte viel Potential. Dabei war so ziemlich alles an ihr anders, als bei vergleichbaren Apparaten westlicher und erst recht japanischer Prägung. Das Dachkantenprisma ziert eine riesige, trapezförmige Selenzelle. Im Sucher sieht der Lichtbildner einen Zeiger ähnlich einer TTL-Messung. Allein, die Zelle ist nicht nur für die Belichtungsmessung zuständig. Ein gekuppelter Schaltkreis gestattet den Einsatz einer Belichtungsautomatik mit Verschlusszeitenpriorität, für den sie die Energie liefert. Die Blende wird automatisch ermittelt. Im Ergebnis sperrt der Verschluss im Automatikmodus, wenn es zu dunkel ist. Freilich bleibt dem Knipser die vollmanuelle Bedienung.
Auch der Verschluss ist eine Eigenentwicklung. Es handelt sich um Metallplättchen in Form von Tortenstücken, die an ihrer spitzen Ecke auf einer Achse befestigt sind. Bei Auslösen drehen sie sich mit einem bestimmten Abstand zueinander. Die Größe des so entstandenen Schlitzes bestimmt die Länge der Verschlusszeit. Immerhin sind Zeiten bis zu 1/1000s machbar.

Quelle: www.photohistory.ru
Um die Übertragung der Blendwerte auf das Objektiv zu gewährleisten, hatte man sogar ein eigenes Bajonett entwickelt.
All das brauchte Platz. Der Apparat besitzt ein ausladendes, wuchtiges Gehäuse. Das Design muss aus heutiger Sicht dennoch mindestens als modern wenn nicht gar futuristisch angesehen werden. Die Bedienelemente sind unauffällig integriert. Die Blende wird nicht am Objektiv eingestellt, sondern an einem Rädchen an der Frontseite. Das Zeitenrad mit integrierter ISO-Einstellung ist versenkt angebracht. Der Schnellspanner befindet sich auf der Rückseite. Nicht weniger absonderlich gestaltet sich der Auslöser, der wie auf einer Schiene laufend vorn rechts angebracht ist.
Wie andere Kameras aus sowjetischer Produktion auch wirkt die Kiev-10 ein wenig „rappelig“. Das Bajonett und Auslöser haben etwas Spiel. Dafür arbeitet der Verschluss umso präziser. Den Druck auf den Auslöser quittiert die Kamera mit einem metallischen Klicken. Die Erschütterungen des Schwingspiegels und der Mechanik sind erfreulich gering.
Als Kit-Objektiv kam das bewährte Helios zum Einsatz. Auch Wechseloptiken ab 20mm Brennweite standen zur Verfügung. Die Kiev-10 ist die wohl innovativste Kamera aus der Sowjetunion, dabei groß, schwer, jedoch mit interessanten Lösungsansätzen.

Nach der Kiev-15, die der Kiev-10 sehr ähnlich, unterdessen jedoch mit zeitgemäßer TTL Messung, entfernte sich Arsenal vom eigenständigen Weg hin zu marktfähigen internationalen Trends. So sind die die Modelle Kiev 17 – 20 feine Apparate, die dem gehobenen Amateurstatus zugerechnet werden dürfen. Ihr Design ist gefällig, ihre Ausführung robust und die Funktionsweise zuverlässig.
Als Bajonett kam ein Nikon-F-Anschluss zum Einsatz. Ob die Japaner hierfür um Erlaubnis gebeten wurden, ist nicht überliefert. Ein Fotofreund behauptete im Netz, das sei nicht der Fall gewesen, die Kameras seien ausschließlich in der Sowjetunion verkauft worden. Dagegen spricht die Beschriftung des Objektivs vorliegender Kiev-19, die in lateinischen Lettern ausgeführt wurde. Die Kamera löste 1984 das 17er Modell ab. Als 18er gab es vermutlich nur Prototypen. Leider hat die Kiev-19 als kürzeste Verschlusszeit lediglich 1/500stel Sekunde zur Verfügung und nähert sich damit den Massenkameras von KMZ an. Die TTL-Messung wird über zwei blinkende Leuchtdioden im Sucher abgeglichen – nicht besonders schick, aber brauchbar. Dank des Bajonetts stehen dem Kiev-Besitzer heute eine große Auswahl an teils recht hochwertigen Linsen von Nikkor und einigen Drittanbietern, Sigma, Tokina u.a., zur Verfügung.
Die Kiev-60 ist neben ihrem Vorgänger Kiev-6S wohl die größte Mittelformatkamera im SLR-Diesign. Alle anderen Vertreter, Reflex- und Meisterkorelle, Pentacon Six oder Exakta 66, können nicht mithalten. Normale Kleinbildkameras, selbst die nicht gerade zierliche Praktica L-Reihe, nehmen sich vergleichsweise winzig neben solch einem Brocken aus der ukrainischen Hauptstadt aus. 1978 hatte Arsenal den ersten Boliden, die 6S (kyrillisch 6C), vorgestellt, der hinsichtlich Qualität und Zuverlässigkeit nicht überzeugen konnte. Überdies befand sich der Auslöser auf der linken Seite, eine Option, mit der sich bestenfalls Exakta-Besitzer anfreunden konnten. 1984 brachten die Ukrainer mit der Kiev-60 eine überarbeitete Version heraus, die hinsichlich Ausstattung und Zubehör mit ihrer Verwandten aus der DDR mithalten konnte. Der Objektivanschluss war wie beim Vorgänger das P-Bajonett geblieben. So konnte der Anwender auf eine stattliche Anzahl hochwertiger Zeiss-Objektive zugreifen. Nebenbei waren die Linsen Made in U.S.S.R. viel besser, als ihr Ruf. Jupiter, Arsat, Zodiak stellten Brennweiten von 30 bis 250mm zur Verfügung. Freilich handelte es sich in Regel um Nachbauten berühmter Vorbilder, die immerhin zufrieden stellende Ergebnisse lieferten. Insbesondere das 30mm Arsat ist es wert, genauer betrachtet zu werden (s. Objektive >>>). Wie bei der Pentacon Six ist der Sucher auswechselbar. Ein TTL-Prisma mit innerer Leuchtdioden-Anzeige schafft Sicherheit beim Belichten. Im Gegensatz zu den Objektiven sind die Sucheraufsätze zur Six nicht kompatibel.

Nachdem 1949 auf der Leipziger Messe die Contax S, eine Spiegelreflexkamera mit fest verbautem Pentaprisma, durch Zeiss Ikon Ost/ Dresden vorgestellt worden war, gingen die Sowjets daran sich eine eigene SLR zu basteln.
Für das Gehäuse wurde die ein paar Jahre zuvor fertig gestellte Zorki, eine Leica-II-Kopie, verwurstet. So waren die ersten Zenits ebensolche Bodenlader, bei denen der Film umständlich von der Unterseite in die Kamera hinein gefummelt werden musste, nachdem man die Filmlasche analog zur Leica auf 10cm zurecht geschnitten hatte.
Nach einigen Null- und Vorserien schaffte es das erste Serienmodell ab 1953 in die Läden.
Die erste Zenit ist eine einfache Spiegelreflexkamera mit standardmäßigem 50mm Industar. Irgendwelche Extras, Blitzsyncronisatione oder Selbstauslöser sucht der Anwender hier vergeblich. Das Modell ist in Deutschland sehr selten. Wenn einmal eins auftaucht, verlangen die Verkäufer bis zu 400,-€. Die abgebildete Kamera kam aus der Gegend um Nowosibirsk aus über 8000km Entfernung in die Sammlung. Trotz zu entrichtender Einfuhrsteuer auf den Kaufpreis waren es am Ende etwa 100,-€, die zu berappen waren..