Contaflex Blues
Warum nicht mal einen Fotoapparat aus westdeutscher Produktion probieren? So oder ähnlich der Gedankengang, nachdem den Knipser die Leidenschaft zum fotografischen Film gepackt hatte und es sowohl mit verschiedenen Modellen Made in GDR als auch alten Canons der A-, T-, und EOS-Serien gelungen war, ansehnliche Bilder zu schießen. Recherchen im Internet ergaben, dass die Entwicklung und Produktion von SLRs Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts in der Bundesrepublik zum großen Teil eingestellt worden war.
Voigtländer war von Zeiss Ikon geschluckt worden, und konnte die Bessamatic nicht mehr weiter entwickeln. Wirgin Edixa ging einfach Pleite. Zeiss Ikon stellte 1972 den Bau der Contarex ersatzlos ein. Im gleichen Jahr verlagerte Rolleiflex die Produktion der SL-35 nach Singapur.
Leitz hatte mit der Leicaflex SL Anfang des Jahrzehnts einen ernstgemeinten Versuch gestartet, der auf die Profiliga der Fotografen zielte, kam aber nicht umhin, ab 1976 mit den Japanern von Minolta gemeinsame Sache zu machen.
Bei Kodak, einem multinationalen Konzern, der als Joint Venture arbeitete, war die letzte Retina Reflex schon 1966 vom Band gelaufen.
Zur Erinnerung: In der DDR waren bis zur schonungslosen Liquidierung der sächsischen Kameraindustrie durch die Treuhand 1990 Millionen von Fotoapparaten erzeugt worden, die sich ebenso im Westen aufgrund ihres vorteilhaften Preis-Leistungsverhältnisses größerer Beliebtheit erfreuten. Auch hier war die Modellpolitik nicht immer glücklich verlaufen. Einige sehr schöne Reihen waren durch die Zentralisierungsmaßnahmen von Partei- und Wirtschaftsfunktionären hinten runter gefallen. Contax (Pentagon), Praktina, EXA mit Ausnahme der 1c, und unvergessen die Exakta gab es ab den 70ern nicht mehr. Andere Versuche, wie die Primarreflex oder Praktica Super für den Profisektor wurden nicht weiterverfolgt. Die Pentacon Six schließlich wurde ab 1969 nicht mehr weiter entwickelt, blieb jedoch bis zuletzt im Programm. Einzig die Modellreihe der Praktica genoss die ungebrochene Aufmerksamkeit der Funktionäre. Irgendwie gelang es immer wieder, Investitionsmittel bereit zu stellen, um die Entwicklung voran zu treiben. Der ostdeutsche Kamerabau war das Aushängeschild der sozialistischen Wirtschaft Marke DDR. Objektive von Carl Zeiss Jena sicherten sich über die ganzen Jahre weltweite Anerkennung, zu Recht, wie wir sehen, wenn wir heute die alten Linsen an digitale SLRs adaptieren und uns über Bilder freuen dürfen, die unerwartete Schärfe und Dynamik in sich vereinen. Doch auch hier musste der chronischen Geldknappheit wegen der planwirtschaftliche Rotstift angesetzt werden, so dass man letztlich den Anschluss zum Weltmarkt verlor und die Japaner, Nikon, Canon, Minolta und Penthax, an den Deutschen in Ost und West vorbeizogen.
Erste Orientierung in der großen Bucht – erste Erkenntnis: westdeutsche Kameras sind teuer. Leicas kosten, je nach Alter und Zustand 300,-€+x, wobei das x erhebliche Dimensionen annehmen kann. Eine M3 kann es ohne Objektiv gut auf über 700-800 Euro bringen. Ältere Schraubleicas, die zu billig sind, sind russische Fälschungen. Die Leicaflex ist nicht unter 200,-€ zu haben, wird aber in der Regel ohne Objektiv angeboten. Ähnliches kann für die Rolleiflex SL angemerkt werden. Bei der Contarex aus dem Hause Zeiss Ikon sieht es noch schlechter aus. Kameras ohne Funktionsgarantie können schon mal einen halben Tausender kosten. Das Risiko, eine Baustelle mit Endlosschleife zu erwischen, ist nicht kalkulierbar. Zum Vergleich: Mit (zugegeben) unverschämtem Glück gelang es dem Knipser, eine komplette Pentacon Six Ausrüstung mit drei Objektiven, TTL-Prisma und Zubehör im Alu-Koffer für unter hundert Euro zu erwischen. Dabei war ich eigentlich nur auf das 180mm Tele scharf. Den Rest hatte ich schon

Es gab auch in der Bundesrepublik die Spiegelreflex für den kleinen Mann, wozu die Bessamatic (Voigtländer), Kodaks Retina Reflex und nicht zuletzt die Contaflex von Zeiss Ikon zu zählen ist. Man darf allerdings nicht missverstehen. Eine Contaflex kostete damals je nach Version zwischen 500 und 900,-DM. Für eine Exakta hatte der Bundesbürger lediglich zwischen 450,- und 650,-DM hinzublättern, eine EXA gab's ab gut 100,-DM. Für eine Contarex, die dem Profisegment zuzurechnen war, durfte der Fotofreund 2000 harte D-Mark auf den Tisch legen. Heute werden bei der Contaflex Preise verlangt, die mehrheitlich zumindest nicht dreistellig sind. Bei Versteigerungen kann einem, wie wir sahen, manchmal Fortuna zur Seite stehen. Ein Restrisiko ist ohnehin nie auszuschließen.
Ich entdeckte eine Contaflex IV (1957-1959) mit allerlei Zubehör. Besonders interessant waren zwei Zusatzobjektive, Pro Tessare in 115 und 35mm, etwas unglücklich präsentiert, so dass sie in dem Angebot kaum zur Geltung kamen.
Auf der Kamera selbst saß ein 50mm Tessar. Ferner waren dem Apparat mehrere Vergrößerungslinsen beigefügt.
Das beste war aber, dass die Kamera als „voll funktionstüchtig“ gepriesen wurde. Allein, der Zentralverschluss war verölt, schloss träge oder gar nicht, wie ich enttäuscht feststellte. Nach freundlichem Intervenieren bot mir die Dame an, alles zu behalten bei gleichzeitiger Erstattung des Verkaufspreises. Ich sollte lediglich die Versandkosten übernehmen, angesichts des umfangreichen Zubehörs ein mehr als akzeptabler Vorschlag.
Als nächstes erwarb ich eine Contaflex Super (1959-67) mit gekuppeltem Selenbelichtungsmesser. Hier stimmte die Fokussierung nicht, was ich leider zu spät bemerkte, so dass eine Reklamation nicht mehr möglich war.
Als drittes sollte eine CF Prima (1959-67) in meine Vitrine einziehen. Aber auch hier stimmte die Fokussierung nicht. Das eigentliche Problem war, dass die Springblende nicht arbeitete, offensichtlich verharzt war. Auch vorsichtiges Erwärmen mit einem Fön erzeugte keine Veränderung. Darüber hinaus löste der Verschluss erst 1/2 Sekunde verzögert nach Drücken des Knopfes aus.
Contaflex IV mit Zeiss Pro Tessar 115mm
Der gewerbliche Anbieter hatte in seinem Angebot suggeriert, dass der Apparat fehlerfrei arbeitete, was nicht den Tatsachen entsprach. Eine Rückgabe sollte sich schwierig gestalten, da der Händler die Routinen nicht einhielt und mit allerlei Tricks das Prozedere unnötig hinaus zog.
Contaflex Prima Contaflex Super
Als nächstes erwischte ich noch einmal eine Version IV. Es benötigte geraume Zeit, bis die Lieferung zugestellt werden konnte, da die Vorbesitzerin die Paketmaße zu gering dimensioniert hatte und den Transportauftrag ein zweites Mal auslösen musste. Als das Paket endlich ankam, stand ich gerade im Wareneingang der Firma meines Broterwerbs. Erste Sichtprüfung, der Verschluss hing. Allerdings wurde der Apparat bei Minusgraden transportiert und hatte eine Eigentemparatur von unter Null. Nachdem er sich erwärmt hatte, lief der Verschluß, nur die langen Zeiten hingen immer mal wieder etwas. Die Blende arbeitete sauber und auch der Selenbelichtungsmesser schlug an. Die Entfernungseinstellung war korrekt. Eine kleine bittere Pille gab es zu schlucken: Die Klappe vom Beli fehlte, was allenfalls ein Schönheitsfehler war. Unglücklicher Weise war es mir, obwohl deutlich sichtbar, anhand der Auktionsfotos nicht aufgefallen. Die zuerst erworbene Contaflex IV war ich gerade in der Großen Bucht losgeworden, so dass sie als Ersatzteilspender nicht mehr in Frage kam.
Zeit für eine Zwischenbilanz. Nach mehreren Anläufen war ich nun im Besitz einer Kamera aus westdeutscher Produktion, die mutmaßlich bei wärmeren Außentemparaturen sogar funktionierte.
Vergleichen wir die Kamera mit einer zeitgleich erzeugten Praktica 4 BM oder einer Pentacon FBM, die in der Ausstattung ähnlich sind, lassen sich einige wesentliche Nachteile der westlichen Kollegin heraus arbeiten. Zentrales Problem ist der Zentralverschluss. Er ist anfällig gegen Verharzungen und niedrige Temparaturen. Eine Wartung durch einen Fachmann dürfte sich als vergleichsweise schwierig darstellen. (Eine Voigtländer Bessamatic beispielsweise galt als unreparierbar.) Da die Verschlußeinheit kompakt vor dem Spiegel sitzt, ist eine Reinigung von Spiegel und Mattscheibe nicht möglich. Auch von hinten über die Filmbühne gibt es keinen Zugang zum Inneren des Lichtschachts. Ein Ausblasen wird durch den Spiegel verhindert, der den Weg zum Prisma versperrt. Einmal Krümel, immer Krümel.
Die Automatkblende sitzt, genau wie die Verschluslamellen, hinter der ersten Linse der Verschlusskonstruktion. Ist die verharzt, kann man den Apparat getrost aussortieren, eine Instandsetzung dürfte sich als unwirtschaftlich erweisen. Wechselobjektive mit Gewinde oder Bajonett wie sie für Fotoapparate mit Schlitz- oder Klappverschluss (Exa) benötigt werden, haben die Blende an Bord. Wenn sie nicht mehr schließt, nehme man eine andere Linse. Die Kamera ist nicht betroffen.
Letztlich verhindert die Konstruktion eine Verwendung von artfremden Wechselobjektiven. Zeiss Ikon stellte zwei oder drei Varianten zur Verfügung, die als Vorsatzobjektive funktionierten. Der Knipser gelangte durch einen glücklichen Umstand (siehe oben) in den Besitz einer 35er und 115er Brennweite. Dennoch ist es kein Vergleich zu den Möglichkeiten, die der ostdeutsche Fotofreak durch das M42-Gewinde hatte. Schon in den Endfünfzigern gab es eine große Anzahl hochwertiger Objektive mit phänomenaler Abbildungsleistung. Brennweiten zwischen 20mm bis zum Super-Tele-Bereich 500mm waren verfügbar. Zwischenringe für Makroaufnahmen waren eine simple aber sehr brauchbare Lösung und mit jedem Objektiv kombinierbar. Zum Vergleich: für die Contaflex gibt es empfindlliche Makrolinsen, die auf das 50mm Tessar aufgeschraubt werden müssen. Bei der Aufbewahrung und Nutzung der Teile ist Vorsicht geboten, um das Glas nicht zu zerkratzen. Ein paar Zwischenringe hingegen steckt man auf Fotosafari zur Not in die Hosentasche. (Gleiches gilt natürlich für das Exakta-Bajonett.)
Auf den Rückschwingspiegel muss man verzichten. Nach Auslösen bleibt es dunkel im Schacht. Das war zeitgleich bei den Praktica- und Contax-Ost(Pentacon)-Modellen nicht anders, obwohl bereits in einer Praktiflex von 1939 ein solches Konstrukt verbaut worden war. 1948 ging bei den Ungarn die Duflex in Serie. Ab den sechziger Jahren wurde es überwiegend Standard. Praktica brachte 1964 mit der Nova-Reihe den Schwingspiegel an den Start, die Exa-500 von der Ihagee folgte ein Jahr später. Die Japaner waren längst auf der Höhe der Zeit - die Pentax Spotmatic von 1964 (1960 vorgestellt) besitzt sowohl einen Rückschwingspiegel als auch eine TTL-Messung. Bei den Westmodellen blieb es weiterhin dunkel nach geschossenem Foto. Man hielt bei Zeiss Ikon selbst dann noch am Zentralverschluss fest, als sich längst herausgestellt hatte, dass die Weiterentwicklung von Kameras für den Profisektor damit nicht zu machen war. Heute beruhen moderne DSLRs auf dem Prinzip des Schlitzverschlusses mit Schwingspiegel. Erst die allerneuesten Kameras kommen ganz ohne Spiegel aus. Die Funktion des Sucherbildes wird von einem Mini-Monitor übernommen. Aber das gehört schon in das digitale Zeitalter.
Ungarische Duflex von 1949: Rückschwingspiegel und seitenrichtiges Sucherbild! (Foto: www.camerapedia.wikia.com
Die nächste Absonderlichkeit der Conaflex IV ist die Handhabung des Selen-Belichtungsmessers. Selen ist ein chemisches Element, das in kristalliner Form bei Leichteinwirkung Elektroenergie abgibt, die wiederum durch einen beweglichen Zeiger zur Anzeige gebracht wird. Mittels zweier Skalen, die durch ein Rädchen aneinander verschoben werden können, wird in Abhängigkeit vom voreingestellten Din(ASA)-Wert eine Belichtungsreihe ermittelt, die anschließend auf die tatsächliche Blende u. Verschlusszeit der Kamera übertragen werden muss. Das ist bei Praktika IV und Pentacon FBM vergleichsweise simpel zu realisieren. Nicht so bei der Contaflex IV. Einem Blendenwert steht hier ein Zahlenwert zwischen 2 und 18 gegenüber, der sich auf dem Ring verschlusseitig neben der Zeitenskale wiederfindet. Hier haben sich die Konstrukteure etwas ganz Besonderes einfallenlassen. Blenden- und Verschlusszeitenring sind fest aneinander gekuppelt und lassen sich nur lösen durch das Herunderdrücken eines Blechzapfens, der dann den Blendenring herunter und damit aus der Arretierung drückt. Neben dem Zapfen gibt es einen roten Punkt, der, wie eben angedeutet, mit der ermittelten Zahl auf dem Verschlusszeitenring in Übereinstimmung gebracht werden muss. Dadurch erhält man die ermittelte Belichtungsreihe. Nicht ganz unlogisch aber in der Praxis etwas mühsam, zumahl, wenn man es anders gewohnt ist. Zeiss Ikon hat es dem bundesdeutschen Fotoenthusiasten offenbar nicht zugetraut, Blendenwert und Belichtungszeit selbständig auf die Kamera zu übertragen. Eine intuitive Anpassung der Lichwerte an die sich durch Witterung, Sonne u. Wolken ändernden Umstände, bei der es naturgemäß um Schnelligkeit geht, wird ausgebremst. Es klingt kompliziert - ist es auch.

Anzeige Belichtungsmesser Contaflex IV Anzeige Belichtungsmesser Pentacon FBM Einstellring verschlussseitig Contaflex IV
Bevor sich der Knipser weiter der Contaflex IV widmete, zog eine zweite Super ein, die als „absolut neuwertig“ apostrophiert worden war, was mir immerhin zehn Euro erhöhter Einsatz über dem zu erwartenden Versteigerungspreis wert war. Bei der Kamera war es wiederum der Zentralverschluss, der seine Tücken hatte. Die Lamellen waren leicht verölt und öffneten sich erst beim zweiten Mal Aufziehen, manchmal auch erst beim dritten Mal, eine Erscheinung, die den Apparat in der Praxis gewissermaßen unbrauchbar machte. Immerhin sieht das Teil aus wie frisch vom Band und der Gedanke einer Reparatur nahm Gestalt an. Vorerst testete ich das gute Stück mit Film zur Überprüfung von Belichtungsmesser und Verschlusszeiten. Die Contaflex Super besitzt einen gekuppelten Selen-Belichtungsmesser mit sogenanntem Nachführmesssystem. Mittels eines Rädchens an der rechten Seite, von vorn betrachtet, wird im Sucher ein Zeiger mit einer dunklen Linie in Übereinstimmung gebracht. Das Rädchen ist mechanisch mit dem Blendenring verbunden, der die Lamellen öffnet und schließt. Wünscht man eine veränderte Verschlusszeit im Verhältnis zur korrekten Blende, dreht man am dafür zuständigen Ring am Objektiv. Im Gegensatz zur Contaflex IV ist dieser nicht fest mit dem Blendenring verbunden, sondern besitzt eine ausgeklügelte Mechanik, die bewirkt, dass sich der andere Ring in gegenläufiger Richtung bewegt. Die Zahlenwerte sind logischerweise proportional eingraviert. Das gleiche, komplizierte Prinzip finden wir im Übrigen auch bei der Bessamatic. Indessen die Verschlusszeiten der Super sind präzise, der Beli zeigt augenscheinlich die richtigen Werte an. Die Fotos waren korrekt belichtet. Auf dem Film waren allerdings wegen des genannten Makels einige Negative durchsichtig, wenngleich ich versucht hatte, mit dem Rückspulknopf den fehlerhaften Mechanismus auszutricksen.
Im WEB fand ich den Beitrag eines Enthusiasten, der mit einer Voigtläner Bessamatic ein ähnliches Problem hatte. Er schuf Abhilfe, indem er den Apparat in die Sonne legte. Durch die Erwärmung schmolzen die verharzten Schmiermittel und verteilten sich neu. Da es im Winter kaum möglich ist, so zu verfahren, bediente ich mich der Wohnzimmerheizung, und siehe, das Ergebnis ist durchaus zufriedenstellend. Zwar sind die Ölspuren immer noch auf den Lamellen des Zentralverschlusses sichtbar, allein er öffnet nun anstandslos bei jedem Aufziehen.
Bei der zuvor erworbenen Super gelang es mit Mühe, die Entfernung neu zu justieren. Dafür muss man von hinten durch den Lichtschacht vier Schrauben lösen, mit denen der Verschluss am Gehäuse befestigt ist. Nun erreicht man den Schneckenring, mit dem die gesamte Objektiveinheit vor und zurück bewegt wird. Einzelheiten, die die Fummelei beschreiben, erspare ich mir an dieser Stelle zu schildern.
Unterdessen kam mir die Contaflex IV in den Sinn. Die fehlende Klappe vor dem Belichtungsmesser wollte dem Knipser nicht recht gefallen. Also wieder Fischen in der großen Bucht und eine weitere IV erwischt. Sie sah sehr gut aus, aber wie wir bereits mehrmals schmerzlich erfahren durften, sagt das nichts aus über die Funktionalität. Es kam, wie es kommen musste, auch dieser Apparat aus dem Hause Zeiß Ikon hatte eine Macke. Diesmal war es wiederum die Blende, die zu träge schloss. Da diese konstruktionsbedingt im Verschlusssegment sitzt, ist es im Gegensatz zu allen Schlitzverschlusskameras unmöglich, dem Problem mittels eines Objektivwechsels beizukommen. Auch fand ich keinen Weg, die Klappe vom Beli abzubauen und an der anderen Contaflex IV anzubringen. Was blieb, war der komplette Austausch des Verschlusssegmentes, das sich besser lösen ließ, als bei der Super, da hier nicht die mechanischen Verbindungen des gekuppelten Belichtungsmessers im Wege sind. Auch sind die Schrauben anders positioniert und von hinten besser zu erreichen. Hat man erst mal den Verschluss einzeln vor sich, ist es gut möglich, durch die vordere Öffnung den nun freiliegenden Spiegel und die Sucherscheibe vorsichtig zu putzen und auszublasen. Freilich kommt man bei dem Prozedere nicht umhin, die Entfernung neu zu justieren, alles in allem ein Vorgang für geduldige Menschen mit ruhigen Händen. Ergebnis war eine funktionierende, äußerlich nahezu neuwertige Contaflex IV, bei der „nur“ die halbe und die ganze Sekunde hängen, die man zum Glück recht selten benötigt.
Nach einigem Hin und Her besaß der Knipser nun zwei Westkameras, zu der sich noch eine dritte hinzu gesellen sollte, eine Contaflex Super BC. Verschluss und Blende arbeiteten bei der 1965 auf den Markt geworfenen Kamera, die sogar eine mechanische Blendenautomatik besitzt, fehlerfrei. Aber die Freude hierüber blieb nicht ungetrübt. Obzwar es sogar gelang, den integrierten CDS-Belichtungsmesser mit einer passenden Batterie in Bewegung zu bringen, funktioniert die Automatikblende leider nicht. Andererseits schlägt der Zeiger nur aus, wenn der Blendenring auf Automatik gestellt ist. Also heißt es, erst messen, dann die korrekte Belichtungsreihe einstellen.

In Anbetracht der inzwischen imposant angewachsenen Sammlung alter Prakticas, Exaktas, diverser japanischer Kameras und, nicht zuletzt genannt, etlicher Apparate aus sowjetischer Produktion, die allesamt sehr gute Bildergebnisse lieferten, und unter Berücksichtigung der unbefriedigenden Qualität der wenigen Fotos, die mit einer Contaflex gelangen, entschloss ich mich, auf westdeutsche Kameras fürderhin zu verzichten. Selbst die Voigtländer Bessamatic, die tadellos funktionierte, wurde in der großen Bucht den Haien zum Fraß vorgeworfen. Immerhin hatte ich ein paar Jahre später wieder Lust auf dieses technische Meisterwerk, und es gelang mir, ein anständiges Exemplar zu erwerben. In der Sammlung spielt sie allenfalls eine Nebenrolle. Das nur am Rande.