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Richard Hummel – Spiegelreflexkameras aus Dreden - Geschichte-Technik-Fakten (Nr. 0756)
Es dürfte eines der wichtigsten Bücher zum Thema Dresdner Kamerageschichte sein. Und doch ist über den Autor kaum etwas bekannt. In Wikipedia findet sich kein Eintrag zur Person, wenngleich aus einigen seiner Schriften zitiert wird. Im Personenregister von G. Jehnlichs "Der VEB Pentacon Dresden" erfahren wir, dass Hummel bei der Ihagee von 1961-64 Leiter der Entwicklung war, bevor er einen wichtigen Posten im Pentacon-Kombinat übernahm.
Blumtritt erwähnt ihn als Angehörigen eines Kollektivs, zuständig für Mikrofilm, dass 1973 den Nationalpreis II. Klasse erhielt. Ein paar Seiten weiter zählt er ihn zu den "bedeutenden Persönlichkeiten der jüngeren Geschichte der Dresdner Fotoindustrie".
Auf einer seit Jahren nicht gepflegten Web-Seite www.praktica-collector.de findet sich eine Kurzbiografie ohne Quellenangabe. Sogar ein Konterfei Richard Hummels ist abgebildet.
Demnach wurde der Autor 1921 geboren. Er arbeitete Ende der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts mit Karl Nüchterlein (Ihagee) zusammen, bevor er zu Zeiss Ikon ging. Nach dem Krieg arbeitete er erneut bei der Ihagee und landete nach deren Auflösung im Pentacon-Kombinat. Ab 1986 war Hummel Chef des technischen Museums in Dresden und 1991 Mitinitiator der Technischen Sammlungen in der Schandauer Straße in den Gebäuden, in denen einst die Praktica gefertigt wurde. Richard Hummel starb am 10. Januar 1998.
Seine "Spiegelreflexkameras" schrieb er nach dem Zusammenbruch der DDR und der damit einhergehenden Liquidierung der Sächsischen Foto-Betriebe.
Und hier beginnt das nächste Geheimnis. Das Buch erschien 1994 in einer Auflage von 1000 Exemplaren in Leipzig, streng durchnummeriert. Eine Wiederauflage dieses wichtigen Standardwerkes, aus dem alle abschreiben, offen oder verdeckt, ist bis heute nicht in Sicht. Die Preise auf dem Gebrauchtmarkt bewegen sich in Bereichen, die für den durchschnittlichen Interessenten kaum zu bewältigen sind. Über 250,-€ wurden bereits ausgemacht. Das Manuskript selbst ist umfangreich, dabei mehr Kompendium und Nachschlagewerk, als Monographie. Nach Ansicht etlicher Experten im Netz ist es an einigen Stellen stark mit Fehlern behaftet, da der Autor manches aus dem Kopf nieder geschrieben haben soll, anstatt sorgsam zu recherchieren. Dennoch gebührt Hummel alle Hochachtung. Er befasste sich mit dem Gegenstand in umfassender Weise, als sich für den alten Kram der DDR keiner mehr interessierte, und schuf so die Grundlagen für spätere Forschungen. Der Text ist in zwei Hauptteile und einen technischen Abschnitt gegliedert. Teil 1 befasst sich mit der Geschichte der Dresdner Kamera-Industrie vor dem Krieg, flankiert von Beispielen alter Apparate, Werbematerialien und Fotos. Teil 2 zeichnet die Entwicklung in der DDR nach. Im technischen Teil werden mit Vollständigkeitsanspruch sämtliche Spiegelreflexkameras der DDR, Prototypen und Exportvarianten aufgelistet, bebildert, klassifiziert und ihre technischen Spezifikationen genannt.
Selbst wenn der Knipser das Werk für, wenn auch knapp, unter hundert Euro erwischte, war es doch eines der teuersten Bücher, besser antiquarischen Bücher, das er sich je leistete. Schon nach einem ersten Durchblättern war klar, die Anschaffung hat sich gelohnt.
Egon Brauer – Foto Optik – Eine Warenkunde für den Fachverkäufer u. den Fotoamateur
„Eine genaue Kenntnis der Erzeugnisse eines Industriezweiges ist Voraussetzung für ihren fachgerechten und qualifizierten Verkauf“, schreibt Brauer als ersten Satz seines Vorwortes und begründet damit die Berechtigung seines Werkes. Welch eine Aussage in einer Zeit, in der Elektronikläden so groß sind, wie früher ein ganzes Warenhaus, wo der Wechsel der Produktlinien bei Kameras, Mobiltelefonen, Computern, Funk- u. Fernsehtechnik in einer Rasanz von statten geht, das der Normalverbraucher kaum mehr mitkommt. Halbjährlich erscheinen neue Generationen von Geräten auf dem Markt, so dass es heute spezialisierte Hochglanz-Fachjournale geben muss, um Händler u. Endkunden auf dem Laufenden zu halten.
Doch zurück zu unserem Buch. Nach einem tieferen Einblick in die physikalischen u. technischen Grundlagen der Materie beschäftigt sich der Autor mit den 1983 in der DDR erhältlichen Produkten rund ums Knipsen. Kamera-Modelle von der K16 über Beirette, Pentacon Six bis zur damals modernen Praktica B200, auch ein paar sowjetische Importe, werden in allen Einzelheiten beschrieben. Hinzu kommen Objektive – sehr schön die Linsenschnittbilder - allerlei Zubehör aus Fotoatelier u. Dunkelkammer, ferner Geräte der Projektion u. Kinematografie, sowie Ferngläser, Lupen uvm.
Dass einige der Anbieter antiquarischer Literatur bis zu 40,-€ für die Ausgabe verlangen, scheint mir etwas überzogen. Bei Medimops für’n Zehner geschossen, war ok. Empfehlenswert besonders für Technikfreaks!
Uwe Scheid - Photographica sammeln - Kameras - Photographien - Ausrüstungen
Vorliegende Ausgabe von 1977 entstand in der Zeit, aus der heute unterdessen, in der ersten Hälfte des 21. Jhd‘s, für uns sammlungswürdige Photographica stammen. Was damals brandaktuell war, ist heute bereits Fotografiegeschichte. Der Autor merkt an, dass diese Freizeitbeschäftigung erst seit kurzer Zeit in Erscheinung trat, ja mehr noch, dass sie bis 1970 nahezu unbekannt war u. nur Auktionshäuser der allerersten Adressen in London u. New York sich mit dem Verkauf von Photographica beschäftigten. Nach einem kurzen historischen Abriss versucht Scheid, System in die Angelegenheit zu bringen. Er unterscheidet zwischen den Kategorien:
- Das photographische Bild.
- Der photographische Apparat.
- Historische Betrachtungs- u. Projektionsgeräte sowie
- Sonstige Sammelobjekte - Fotobücher, Briefmarken, allerlei Nippes u. Unbrauchbares, das in irgendeinem Zusammenhang zu unserem Sujet steht.
Der Autor stellt dabei gezwungener Maßen viele Werkzeuge der Bildherstellung aus der Vergangenheit vor. Der Leser darf sich freuen, mit Fotoapparaten vertraut gemacht zu werden, die so gar nicht zu unserer heutigen Vorstellung von einer Kamera passen. Holzkisten mit einfachsten Objektiven dienten in der Epoche vor der Erfindung des Filmmaterials bis 1889 zur Erzeugung von Photographien aller Art.
Im letzten Teil des reich bebilderten Manuskripts beschäftigt sich der Autor mit der Problematik der Informationsbeschaffung, der Klassifizierung des Erhaltungszustandes, Ermittlung des Marktwertes, Sammlungen als Kapitalanlage, Katalogisierung u. mehr. Besonders der Abschnitt über Informationsquellen lässt die Nostalgiker unter uns wehmütig zurück denken an eine Zeit ohne Internet, E-Bay u. Wikipedia.
André Wilkens – Analog ist das neue Bio
Auch wenn der Band nichts mit Fotografie zu tun hat, sei er doch an dieser Stelle kurz besprochen. Der Politikwissenschaftler Wilkens, der viele Jahre im Ausland verbracht hat und Teil des digitalen Booms der 90er Jahre war, kehrte mit über 50 nach Berlin zurück, kolumnierte hie und da und legte uns mit seinem Büchlein nahe, unsere digitale Welt mit wachen Augen zu beobachten.
Er ist weit weg von einer Verteufelung der aktuellen Entwicklung, verweist jedoch auf deren Gefahren, die einem spätestens dann ins Bewußtsein drängen, wenn wir im Straßengetümmel der Großstadt junge RadlerInnen, ohne den Verkehr der Rushour eines Blickes zu würdigen, freihändig fahrend auf ihrem Smartphone herum wischen sehen.
Der Autor beansprucht sicher nicht, mit philosophischer Tiefe allgemeingültige Erklärungen zu geben. Vielmehr zeigt er Risiken, entwirft Zukunftsszenarien und gibt uns einen unterhaltsamen Leitfaden, uns in der digitalen Welt zurecht zu finden.
Und er fordert uns auf zur Rückbesinnung. „Nicht alles muss digital gemacht werden. Die totale digitale Welt ist keine menschliche. Es gibt Alternativen.“ An der Stelle schlage ich den Bogen zur traditionellen Fotografie, gegen die digitale Bilderflut der Gegenwart (und Zukunft). Analoge Alternativen müssten erhalten ja sogar subventioniert werden, so Wilkens. „Was heute alternativ ist, kann morgen schon Mainstream sein (…) Alternativen zu erhalten, bedeutet Freiheit zu sichern.“
Franz Pangerl - Das Paktica-Buch
Es war beim besten Willen nichts raus zu kriegen über den Autor Franz Pangerl, nur dass er mehrfach zum Thema publizierte. Auch im Klappentext war nichts zur Person vermerkt. Was soll schon dabei herauskommen, wenn ein "Wessi" über ostdeutsche Kameras schreibt, mag man meinen. Pangerl macht das gekonnt mit Sachverstand und scheut sich nicht, seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen: "Gäbe es eine Bestzeller-Liste für Spiegelreflexkameras - die Praktica aus Dresden gehörte auf einen der ersten Plätze." Nach einer kurzen historischen Einbettung stellt der Autor die Modelle der Nova-Serie vor, die ab 1964 in den Läden lag. Interessanterweise, das sei am Rande bemerkt, gab es die Nova 1B nicht in der Bundesrepublik zu kaufen. Fast schwingt ein bisschen Wehmut mit, mag man meinen, wen man den Hinweis des Autors liest.
Nach der Erläuterung des Praktika-Systems und der Vorstellung ihrer wichtigsten Modelle (Nova/Nova B, Nova I, Mat, Super TL u. Pentacon Super) und einigem an Zubehör gibt es für den Leser Erklärungen und Tips zur Bildentstehung, Bildgestaltung und Bildentwicklung. Viel monochromes Fotomaterial, das zur Veranschaulichung und Illustration des Textes dient, versetzt uns in eine Zeit, als die rasante Entwicklung der Fototechnik in eine neue Runde ging. Irgendwelcher politischer Andeutungen oder gar Statements enthält sich Pangerl vollkommen. Das Wort "DDR" konnte ich in der Lektüre nicht entdecken