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Neue Geschichte der Fotografie - Michel Frizot (Hrsg.)
Das wohl umfassendste Werk zur Geschichte. Auf über 750 Seiten werden alle Teilbereiche unseres Themas bis etwa 1990 ausgeleuchtet. Die aktuelle digitale Fotografie kommt also nicht vor. Erfreulich, dass der Einfluss technischer Neuentwicklungen ebenso behandelt wird, wie der Aspekt ästhetischer Einflüsse u. ökonomischer Rahmenbedingungen. Veranschaulicht wird das Ganze mit umfangreichem Bildmaterial auf weißem Glanzpapier. Dementsprechend schwergewichtig kommt der Wälzer daher und ist weniger geeignet als handliche Bettlektüre. Das Werk hat auch gebraucht seinen Preis. Für um die 30,-€ wird man mit etwas Glück fündig, eine Investition, die sich lohnt.
Fotobuch für alle - Werner Wurst
Das Standardwerk für den fotointeressierten DDR-Bürger. Der Dresdner Fotograf, Werbefachmann u. Autor Werner Wurst (1912-1986) schrieb Bücher, Zeitschriftenartikel, Werbetexte. Nach seiner Lehre bei der Ihagee studierte er an der Dresdner Photohandelsschule u. wurde später Marketingexperte in seinem Lehrbetrieb. Nach dem Krieg freiberuflich tätig, veröffentlichte er
1958 das „Fotobuch für alle“, das in den Folgejahren immer wieder aufgelegt wurde. Hier vorliegend die 13. verbesserte Auflage v. 1985.
'Was soll uns so ein alter Schinken bringen?', wird mancher fragen. Nicht nur, dass man viele Erkenntnisse rund um das Thema vom 'Urschleim' mitbekommt, finden sich sehr schöne Beispielfotos,
überwiegend aus dem DDR-Alltag. Fakten über Filmmaterial, Filter, Belichtung, Tips zur Auswahl der Kamera, darüber hinaus didaktische Anregungen zur Bildgestaltung lassen den Leser einmal mehr schmunzeln über das liebevolle Engagement, das uns Wurst mit seinem Werk zu Füßen legt.
Große Fotolehre - Andreas Feininger
Andreas Feiningers „Große Fotolehre“ ist Lektüre, die vom Leser verlangt, dass er sich Mühe gibt. Nahezu 470 Seiten Text, Text u. nochmals Text, dazu ein kleiner Bildteil in der Mitte zur Veranschaulichung einiger technischer Fragen. Das 30 Jahre alte Werk macht uns neben wichtigen grundlegenden Fototechniken vertraut mit der besonderen Sichtweise des Altmeisters, setzt sich mit ästhetischen und philosophischen Fragen auseinander. Die kreativen Aspekte, wie fotografisches Sehen, Bildkomposition, Gestaltung mit Licht, Raum und Tiefe sind Themen, die der weltberühmte Fotograf Feininger in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellt. Einiges ist subjektiv gefärbt. Die ablehnende Haltung des Autors z.B. gegenüber Weitwinkelobjektiven wird der fortgeschrittene Knipser von heute belächeln - aus damaliger Sicht ist sie vielleicht nachvollziehbar. Das Buch ist ein Muss für jeden enthusiasmierten Amateur u. Semiprofi.
Geschichte der Dresdner Fotoindustrie - Herbert Blumtritt
Herbert Blumtritt, Jg.1937, ist eigentlich gelernter Ingenieur für Flugzeugbau. Eine berufliche Laufbahn auf dem Gebiet war ihm nicht vergönnt, da die DDR 1961 nach Fertigstellung ihres einzigen eigenen Flugzeugs, der Baade 152, jegliche Aktivitäten in dem Industriezweig wegen mangelnder Effizienz einstellte. Als Dresdner war es für Blumtritt nicht schwer zum damaligen VEB Kamera- u. Kinowerke, später Pentacon, zu wechseln, wo er als Ingenieur-Ökonom bis zur Zerschlagung des Kombinats 1990 tätig war.
Auf 256 Seiten beschreibt er den Weg der vielen kleinen Dresdner Foto- u. Kamera-Manufakturen bis hin zum großen sozialistischen Konzern, sowie die Versuche der Nachfolger nach 1990, am Markt Fuß zu fassen, ein Ansinnen, das aufgrund fehlender staatlicher Unterstützung u. der Übermacht aus Fernost zum Scheitern verurteilt war. Der Autor wartet mit Zahlenmaterial zu Beschäftigten u. produzierten Stückzahlen auf,
zeichnet Kurzbiografien wichtiger Protagonisten nach und stellt uns einige bedeutende Erfindungen vor. Abbildungen von Werbeprospekten u. zeitgenössische Archivbilder verfeinern die Aussage des Buches. Bei aller Sachlichkeit des Lesestoffes wird man das Gefühl nicht los, dass ein Trauerschleier über dem Text liegt. Letztlich ist der Untergang der sächsischen Kameraindustrie ja eine Tragödie deutscher Industriegeschichte.
Pentacon Six - Ursula Petsch
Die Grande Dame der DDR-deutschen Kameratechnik hatte es Ursula Petsch angetan, so dass sie nicht umhin kam, ihr ein eigenes Buch zu widmen, das 1986 erschien. Da war die Mittelformatkamera, geht man von der Urform, der Praktisix, aus, schon 30 Jahre auf dem Markt. Die „Six“, von 1969 bis 1990 unverändert gebaut, wurde schon damals zur Legende. Sie war teuer, schwer zu kriegen u. galt als Basismodell einer professionellen Ausrüstung.
Die Autorin verzichtet auf weitschweifige technische Erläuterungen, man erhält also keine erweiterte Bedienungsanleitung, die auf 210 Seiten aufgeblasen wurde. Vielmehr gibt Petsch praktische Tips zum Gebrauch der Kamera, legt das Augenmerk im zweiten Teil des Buches auf Fragen der Bildgestaltung und gibt uns einen Überblick im Umgang mit den Sparten ihrer Kunst, von der Portraitfotografie bis zur Material- u. Sachaufnahme. Ihre Auslassungen sind reich bebildert, teils mit Aufnahmen, die sich - für meinen Geschmack -
in Anbetracht der Zeitumstände durch herausragende Qualität auszeichnen. Dass der Besitz dieses Bändchens für Six-Fans unumgänglich ist, machen sich gewerbliche Anbieter zu Nutze und rufen Preise bis zu 40,-€ auf. Mit Hartnäckigkeit gelangte der Knipser für unter Zehn Euro an die anregende Lektüre.
Sehen und fotografieren - Manfred Bauer
„Alles ist 'international' und man ist sogar stolz darauf. Genauso verhält es sich mit der Kleidung – der 'internationalen Mode'. Es bedeutet, dass man die gleichen Schuhe, Anzüge oder Handtaschen in Frankfurt, Paris, London und Hongkong kaufen kann. Dabei steht nicht einmal fest, woher die Sachen in Wirklichkeit stammen! Die Geschichte vom Seemann,der nicht weiß, was er seiner Braut von Übersee mitbringen soll, weil es alles auch zu Hause im Kaufhaus gibt, trifft immer häufiger zu“, erkannte Manfred Bauer weise in seinem Buch, dass den Untertitel „Motive richtig gestaltet“ trägt. Bemerkenswert, dass er zu der Erkenntnis bereits vor 60 Jahren kam. Nur zu vertraut klingen diese Sätze im Zeitalter ostasiatischer Massenproduktion. Er resümiert weiter, dass sich die gleiche Schwierigkeit einstelle, wenn wir mit unserer Kamera das wirklich Fremdartige eines anderen Landes einfangen wollten.
Diesen und andere Zusammenhänge bzw. Widersprüche zwischen Foto-Intentionen und der uns umgebenden Realität deutet Bauer immer wieder an, wenngleich es nicht Hauptgegenstand seines Buches ist. Nach einer kurzen Abhandlung technischer Erfordernisse widmet sich der Autor im Mittelteil den verschiedenen Genres der Fotografie, ohne dabei Vollständigkeit erreichen zu wollen. Angenehm die Nähe seiner Ausführungen zum interessierten Amateur. Ergebnisorientiert bespricht Bauer Probleme, mit denen sich der durchschnittliche Knipser, im Urlaub, bei Familienzusammenkünften oder einfach im Alltag herumschlagen muss. Die vielen Beispielbilder serviert uns der Fotograf Bauer gleich mit eigener Interpretation u. Auslegung und meint es nach meinem Dafürhalten etwas zu gut mit dem Rezipienten. Weniger wäre mehr gewesen, zumal manche Abbildung mit heutigem Abstand betrachtet ein bisschen zu gewollt herüber kommt.
Im dritten Teil kümmert sich der Verfasser um Grundlegen der Dunkelkammerpraxis, ein Thema, dass gegenwärtig nur noch wenige interessieren dürfte.
Dennoch ein Tipp und schön zu lesen im Vergleich zum vorfabrizierten Plastikdeutsch („So kriegen Sie die Blende in den Griff!“) aktueller Hochglanz-Journale.